Abwasser

Dienstag, 21. Juni 2005

Kleinkläranlagen – mehr als eine Übergangslösung

In einigen Harzdörfern kämpfen Bürgerinitiativen gegen zentrale Abwasserlösungen. Die Bürger befürchten zurecht, dass hier teure und technisch zweifelhafte Lösungen durchgedrückt werden sollen, um interessierten Stellen die Taschen zu füllen. Alternativen werden heruntergeputzt. Planer Landesamt und mit den Abwasserverbänden verwobene Politiker können dabei auf die propagandistische Unterstützung einer ahnungslosen lokalen Presse setzen.

Kleinkläranlagen galten früher als reine Übergangslösungen. Moderne Kleinkläranlagen nach DIN 4261 werden aber heute als Dauerlösung akzeptiert. Nachdem die Industrie gezeigt hat, dass Kleinkläranlagen den zentralen Reinigungsverfahren mindestens gleichwertig sind, haben inzwischen auch die Behörden in mehreren Bundesländern diese Tatsache akzeptiert.

Der Anschluß- und Benutzungszwang, der im Harz gegen Güntersberge, Siptenfelde, Neudorf und das Kinder- und Erholungszentrum (KIEZ) durchgedrückt werden soll, verhindert eine Entwicklung, die mehr Ortschaften zu dezentralen Systemen führen könnte. Neben den attraktiven Gebührenquellen zentraler Kanalisationen sorgt die immer noch vorherrschende Meinung, die zentrale Abwasserbehandlung sei der alleinige Problemlöser dafür, dass dezentrale Lösungen als minderwertig und technisch ausgereizt dargestellt werden.

Verschiedene Entwicklungen der letzten Jahre (Bodenfilter–Pflanzenkläranlage, Teichanlage, Tropf- und Tauchkörperverfahren, Belebungs- und Festbettverfahren, SBR- und Mikrofiltrationsanlagen) haben die Kritik widerlegt, dass dezentrale Verfahren nicht die gleiche Reinigungsleistung aufweisen wie zentrale Anlagen. Es wurden sogar wesentlich bessere und stabilere Werte festgestellt als bei den hochgelobten Großkläranlagen.

Ein wesentlicher Vorteil dezentraler Verfahren ist der Verzicht auf ein Sammlernetz. 70 bis 90 Prozent der Kosten werden für das Kanalisationsnetz in ländlich dünn besiedelten Gebieten ausgegeben. Kommunal errichtete Kanalisationsnetze und Kläranlagen erhalten noch je nach Bundesland bis zu 75 Prozent Fördermittel. Wenn diese staatlichen Zuschüsse wegfallen, sind zentrale Systeme nicht mehr bezahlbar.

Gerade in den neuen Bundesländern sind doch Erfahrungen genug da: Um die Kosten für die völlig überdimensionierte zentrale Abwasserbehandlung ohne Fördermittel tragen zu können, sollten die Bewohner einer Gemeinde Abwassergebühren von 22 Euro pro Kubikmeter zahlen. Erst die Proteste einiger Bürger bis zum Hungerstreik verhindern diese Kostenexplosion.

Die Behauptung, Kleinkläranlagen bringen keine gleichwertigen Reinigungsergebnisse, weil private Betreiber mit der Bedienung und Wartung überfordert seien, erweist sich in der Praxis als falsch. Gespräche von Wartungsfachleuten mit Kunden zeigen den Trend, dass die Betreiber sehr wohl an einer fachgerechten Betreuung interessiert sind. Leider hatten viele Bürger bisher wenig Möglichkeiten, sich ausreichend und verständlich über die Problematik einer eigenen Kläranlage zu informieren.

Dezentrale Abwasserbehandlung bietet die Chance, auch das Problem der Siedlungshygiene im ländlichen Raum kurzfristig in den Griff zu bekommen. Das Bundesumweltamt weist schon seit 1996 darauf hin, dass die herkömmliche Technik der Abwasserreinigung keine Wirkung auf hormonaktive Substanzen und antibiotikaresistende Mikroorganismen hat. Die Bio-Membran-Technik ist ein Verfahren, die dieses Problem lösen und kostengünstig für Kleinkläranlagen eingesetzt werden kann.

Zentrale Abwassersysteme werden auch zukünftig ein wichtiger Bestandteil der Abwasserreinigung sein. Wirtschaftliche und ökologische Aspekte sprechen aber für dezentrale Systeme. Nicht nur im Rahmen der Verbesserung der Abwasserreinigung im ländlichen Raum erweisen sich dezentrale Verfahren als klar die bessere Lösung. Auch bei Sanierungen oder Veränderungen an bestehenden Anlagen sollte die Möglichkeit geprüft werden, ob eine Mischung aus zentral/dezentral nicht die bessere Alternative bedeutet.

Harzranger

Naturschutz im Harz

Suche

 

Aktuelle Beiträge

HarzRanger zieht um
Es wächst zusammen, was zusammen gehört,...
Harry Fischer - 12. Mrz, 13:38
Schweinskopf ins Logo...
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Rehberger (FDP)...
Harry Fischer - 9. Mrz, 13:21
EU genehmigt Genmais...
Die EU-Kommission hat am 3. März die Markteinführung...
Harry Fischer - 7. Mrz, 23:09
Gentechnikfreie Landwirtschaft:...
Mit vielfältigen Aktionen beteiligen sich BÜNDNIS...
Harry Fischer - 3. Mrz, 11:31
Anti-Gentechnik-Aktionen.. .
Anlässlich des bundesweiten Aktionstages für...
Harry Fischer - 28. Feb, 19:54

Archiv

August 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 1156 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Mrz, 13:38

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB