Antibiotika jetzt auch in Salat und Weizen
Schlechte Nachrichten für Vegetarier: Zum ersten Mal spürten Wissenschaftler der Uni Paderborn Antibiotika auch in Salat und Weizen nach. "Zwar wissen die WissenschaftlerInnen noch nicht, wie stark Brot belastet ist", sagt Oliver Wendenkampf, Gesundheitspolitischer Sprecher des Bund für Umwelt und Naturschutz BUND. "Antibiotika gelangen aber auf jeden Fall ins Getreide und ins Gemüse."
Welche Brisanz dieser aktuelle Befund der Mediziner hat, wird deulich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Antibiotika eigentlich die Erreger von lebensgefährlichen Infektionen unschädlich machen sollen. Werden sie aber mit dem Essen aufgenommen, gewöhnen sich die Keime an die Arznei und werden immun. Die Medizin wirkt dann nicht mehr, wenn jemand krank ist. Schon lange ist erwiesen, dass Fleisch Antibiotika enthält, weil Schweine und Puten diese Medikamente verabreicht bekommen.
Jedes Jahr werden europaweit in der Tier- und der Humanmedizin zusammen bis zu 4.000 Tonnen der Arznei verschrieben. Wie der Mensch scheiden aber auch die Tiere bis zu 90 Prozent der Pillen, die sie schlucken, wieder aus. So wandert das Antbiotikum mit der Gülle aufs Feld. Und dann? Mit dieser Frage hatte sich bisher niemand beschäftigt.
Wissenschaftler der Uni Paderborn untersuchten den Weg von Medikamenten, die an Schweine verfüttert werden. Darunter Chlortetracyclin, das Tierärzte gegen Husten verschreiben. Dem Vieh bekommt die Klimatisierung des Stalls oft nicht. Die Wissenschaftler behandelten sechs Schweine nach üblichem Rezept. Mit der Gülle, die zunächst acht Monate lang lagerte, düngten die Experten auf ihren Versuchsfeldern Weizen und Salat. Das war im Frühjahr 2005. In den folgenden Monaten nahmen die Experten mehrfach Proben.
Die Paderborner fanden die Medikamente im Weizen und im Salat wieder. Im reifen Korn wiesen sie beispielsweise 0,05 Milligramm Antibiotikum pro Kilo Getreide nach. Damit liegt die Konzentration der Arznei zwar unter den Höchstwerten, die für Fleisch aufgestellt wurden. Die Experten sind aber trotzdem alarmiert.
Wie sieht die Belastung bei Kohl, Mais, Möhren oder Zwiebeln aus? Jochen Heimberg vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rät jedenfalls künftig pflanzliche Lebensmittel auf Antibiotika-Rückstände zu untersuchen. "Dazu fehlten verbindliche Standards". bemängelt Oliver Wendenkampf vom BUND. Nach den allarmierenden Befunden aus Paderborn ist die Bundesregierung gefordert: Der Verbrauch von Antibiotika im Stall muss eingedämmt werden, fordert der BUND.
Lange Zeit haben Bauern das Medikament einfach in den Trog gekippt. Denn die Arznei macht nicht nur gesund, sie hilft Tieren auch, das Futter besser zu verwerten. Und das beschleunigt die Mast. Erst seit diesem Januar ist diese Praxis EU-weit verboten. Jetzt dürfen Antibiotika nur noch eingesetzt werden, wenn das Vieh krank ist. Allein: Oft wird die gesamte Herde behandelt, sobald nur ein Tier hustet. "Tierärzte müssen weniger verschreiben", rät BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.
Quelle:
oliver.wendenkampf@bund.net
Welche Brisanz dieser aktuelle Befund der Mediziner hat, wird deulich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Antibiotika eigentlich die Erreger von lebensgefährlichen Infektionen unschädlich machen sollen. Werden sie aber mit dem Essen aufgenommen, gewöhnen sich die Keime an die Arznei und werden immun. Die Medizin wirkt dann nicht mehr, wenn jemand krank ist. Schon lange ist erwiesen, dass Fleisch Antibiotika enthält, weil Schweine und Puten diese Medikamente verabreicht bekommen.
Jedes Jahr werden europaweit in der Tier- und der Humanmedizin zusammen bis zu 4.000 Tonnen der Arznei verschrieben. Wie der Mensch scheiden aber auch die Tiere bis zu 90 Prozent der Pillen, die sie schlucken, wieder aus. So wandert das Antbiotikum mit der Gülle aufs Feld. Und dann? Mit dieser Frage hatte sich bisher niemand beschäftigt.
Wissenschaftler der Uni Paderborn untersuchten den Weg von Medikamenten, die an Schweine verfüttert werden. Darunter Chlortetracyclin, das Tierärzte gegen Husten verschreiben. Dem Vieh bekommt die Klimatisierung des Stalls oft nicht. Die Wissenschaftler behandelten sechs Schweine nach üblichem Rezept. Mit der Gülle, die zunächst acht Monate lang lagerte, düngten die Experten auf ihren Versuchsfeldern Weizen und Salat. Das war im Frühjahr 2005. In den folgenden Monaten nahmen die Experten mehrfach Proben.
Die Paderborner fanden die Medikamente im Weizen und im Salat wieder. Im reifen Korn wiesen sie beispielsweise 0,05 Milligramm Antibiotikum pro Kilo Getreide nach. Damit liegt die Konzentration der Arznei zwar unter den Höchstwerten, die für Fleisch aufgestellt wurden. Die Experten sind aber trotzdem alarmiert.
Wie sieht die Belastung bei Kohl, Mais, Möhren oder Zwiebeln aus? Jochen Heimberg vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rät jedenfalls künftig pflanzliche Lebensmittel auf Antibiotika-Rückstände zu untersuchen. "Dazu fehlten verbindliche Standards". bemängelt Oliver Wendenkampf vom BUND. Nach den allarmierenden Befunden aus Paderborn ist die Bundesregierung gefordert: Der Verbrauch von Antibiotika im Stall muss eingedämmt werden, fordert der BUND.
Lange Zeit haben Bauern das Medikament einfach in den Trog gekippt. Denn die Arznei macht nicht nur gesund, sie hilft Tieren auch, das Futter besser zu verwerten. Und das beschleunigt die Mast. Erst seit diesem Januar ist diese Praxis EU-weit verboten. Jetzt dürfen Antibiotika nur noch eingesetzt werden, wenn das Vieh krank ist. Allein: Oft wird die gesamte Herde behandelt, sobald nur ein Tier hustet. "Tierärzte müssen weniger verschreiben", rät BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.
Quelle:
oliver.wendenkampf@bund.net
Harry Fischer - 18. Jan, 10:18
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks


