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Harz-Geschichte

Montag, 22. Dezember 2008

Heimatzeitschrift „Unser Harz“ Ausgabe 12/2008

Clausthal-Zellerfeld. Der Glockenturm der Marktkirche zum Heiligen Geist in Clausthal ist wieder aufgebaut! Das Editorial der Ausgabe ist dieser erstaunlichen Leistung gewidmet, es bleibt dort aber noch viel zu tun, Kirchengemeinde und Förderverein setzen auf eine nicht erlahmende Spendenbereitschaft einer interessierten Oberharzer Gemeinschaft.

Weihnachtlich grüßt als Titelfoto der Buchdeckel des Evangeliars von 1513 aus dem Quedlinburger Domschatz, der 1945 die persönliche Kriegsbeute eines US-Offiziers wurde und auf abenteuerliche Weise 1992 „heimkehrte“. Gerhard Rockstedt, unermüdlicher Heimatforscher aus Rieder bei Quedlinburg, geht in seinem Aufsatz den Einzelheiten nach. Manfred Bornemann aus Hamburg/Ilfeld untersucht anschließend den Ortsnamen Hohegeiß, der auf einem alten Flurnamen um 1268 fußt. Alte Höhenwege, Grenzen, Holzmarken um das Bodfeld scheinen auf, spannende Historie um Macht und Ländereien dieses Oberharzer Raumes. Fritz Reinboth aus Braunschweig, excellenter Kenner nicht nur der Walkenrieder Klostergeschichte, berichtet vom Spatenborn aus der Walkenrieder Gipskarstlandschaft und ähnlichen Flurnamen; hierher könnte man im Frühjahr einmal eine Wanderung unternehmen!

Abschließend zeichnet ein Verwandter des (nicht nur) „Brockenmalers“ Johann Adolf  Rettelbusch (1858-1934), Dr. rer. nat. Gerd Kley aus Oberkrämer b. Berlin, der in seiner Jugend im Geburtshaus des Malers in Kammerforst am Hainich (Thüringen), „zwischen dessen Bildern“ gelebt hat, seinen vielfältigen künstlerischen Werdegang nach, als Beitrag zum 150. Geburtstag am 15. Dezember in diesem Jahr. Rettelbusch war von 1887 bis 1924 beliebter Lehrer und Professor an der hervorragenden Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg. Seine besondere Liebe galt dem Brocken, wo er mit Zeichnungen und Gemälden das Brockenhotel, das den Kriegsereignissen zum Opfer fiel, ausstattete. Er war mit seinen Freunden 1899 der Begründer der „Brocken-Silvester-Gemeinde“. Der Artikel zeigt einige der stimmungsvollen Bilder von Rettelbusch in dessen meisterhaften Maltechniken (Pastell, Öl, Tempera). Auf dem Brockenrundweg erinnert seit 1998 der wieder aufgestellte Rettelbusch-Gedenkstein an diese besondere Malerpersönlichkeit. Auch der Nationalpark Harz ist in diesem Heft wieder mit interessanten Neuigkeiten aus seinem Bereich vertreten.

„Unser Harz“ ist über die Oberharzer Druckerei in Clausthal-Zellerfeld (Tel. 05323/2533, Fax 2534; Mail: fischerthielbar.clausthal@t-online.de) zu beziehen: Einzel-Heft 2,10 € + Versandkosten, Abopreis (12 Hefte) 27,00 € (ab 2009) inkl. Mwst. u. Vkst.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Arbeiten für Groß-Deutschland – Zwangsarbeit in Bad Lauterberg

Bad Lauterberg. Zwangsarbeit, Deportation und Arbeitseinsätze von Kriegsgefangenen sind Themen, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg von vielen Bürgern verdrängt wurden. "Nur nicht daran rühren, es gibt Wichtigeres zu tun" war die Devise. Auch in den Schulen wurde dieses Problemfeld früher nicht angesprochen. Die damals noch vorhandenen Rudimente der Barackenlager im Odertal waren Flüchtlingslager oder Sozialunterkünfte - was sie vorher waren, Unterkünfte für ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene, wurde nicht erwähnt. Das wusste man, behielt es aber für sich. Heute, nach mehr als 60 Jahren, weiß kaum noch ein Einwohner etwas über diese Zeit und die Menschen, die dort unter teilweise menschenunwürdigen Verhältnissen arbeiten und leben mussten.

Diese Abhandlung wurde allein von der Archivgemeinschaft der Stadt Bad Lauterberg erstellt, sie hat sich ohne Auftrag dieses Themas angenommen. Im Verlauf einer zweijährigen Recherche konnte ein Schattenriss der Arbeit erkannt werden und mit der Zusammenstellung der einzelnen Kapitel begonnen werden. Die Arbeit wurde 2004 in einer ersten Ausgabe für einen eng begrenzten Verteilerkreis erstellt. Die Aufbereitung der ersten Internetveröffentlichung erfolgte dann beim Verein Spurensuche Harzregion e.V., vormals Spurensuche Goslar e.V., 2006. Aufgrund neuer, bisher nicht ausgewerteter Quellen wurde eine zweite Ausgabe notwendig.

Die Auswertung der noch vorhandenen Dokumente beruht ausschließlich auf städtischen und kirchlichen Unterlagen. Die historische Aufarbeitung dieses Kapitels der Stadtgeschichte kommt leider um mehr als 60 Jahre zu spät. Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen und noch weniger Personen, die auch bereit sind, über diese Zeit zu sprechen. Viele Lücken in den Personenstandsdaten konnten nicht geschlossen und standesamtliche sowie auch kirchliche Daten nicht vorbehaltlos übernommen werden.

Die ausländischen Zivilarbeiter in Bad Lauterberg kamen aus nahezu allen von Deutschland besetzten oder annektierten Gebieten. Außerdem waren zahlreiche Personen aus verbündeten oder neutralen Staaten beschäftigt. Der Aufwuchs an ausländischen Arbeitskräften lief parallel zu den Erfordernissen der Kriegswirtschaft und den Einberufungen deutscher Arbeitskräfte zum Militär. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war 1943 und 1944.

Vom Einsatz der Ausländer hat ein Großteil der industriellen Wirtschaftsunternehmen der Stadt profitiert, darüber hinaus Landwirtschaft, Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Reichsforst, Reichsbahn, Handwerk und privilegierte private Haushalte. Die Behandlung der ausländischen Zivilarbeiter entsprach nicht immer den Erlassen der Verwaltung und noch viel weniger den Vorstellungen der Parteiideologen. Einzelne Bürger der Stadt, die besondere Befugnisse gegenüber den Ausländern besaßen, benutzten ihre Stellung, um die geforderte Arbeitsleistung der ausländischen Arbeitskräfte zu erzwingen, auch wenn dieses unrechtmäßig und völkerrechtswidrig war.

Gesundheitszustand und Lebensumstände der Zivilarbeiter entsprachen den Umständen ihres Aufenthaltes in Bad Lauterberg. Sie waren gekennzeichnet von einer restriktiven Gesetzgebung, kriegsbedingtem Mangel, harter Arbeit und der Unterbringung in hygienisch mangelhaften, überfüllten Gemeinschaftslagern. Das führte in Verbindung mit einer völlig unzureichenden medizinischen Versorgung zu zahlreichen Todesfällen durch Tuberkulose und anderen schweren Infektionskrankheiten. Es ist davon auszugehen, dass ein hoher Prozentsatz der ausländischen Arbeiter als unterernährt, unzureichend bekleidet und krank anzusehen war. Die hohe Sterblichkeitsrate gibt darüber ein beklemmendes Zeugnis.

Bemerkenswert ist, wie wenig die große Anzahl von Ausländern im Bewusstsein der heute noch lebenden Kriegsgeneration erhalten geblieben ist, obwohl doch nahezu jeder der damaligen Einwohner in vielfältiger Weise mit den ausländischen Zivilarbeitern in Kontakt gekommen sein muss.

Möge diese Arbeit einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Erinnerungslücke zu schließen.


Lüder, Helmut (2008): Arbeiten für Groß-Deutschland – Zwangsarbeit in Bad Lauterberg. – Spuren Harzer Zeitgeschichte Heft 3, 116 S., zr. Grafiken und Tab., Papierflieger-Verlag, Clausthal-Zellerfeld, ISBN 978-3-89720-548-2. Erhältlich im Buchhandel oder über den Verlag.

Herausgeber:
Spurensuche Harzregion e.V.
www.spurensuche-harzregion.de